Bye bye Frieden.

Diesen Artikel habe ich im Februar geschrieben und jetzt in den Entwürfen wieder gefunden. Passt gut in die Corona-Zeit. Der Corona-Virus macht doch auch klar, wie sinnlos Kriege sind. Und dass wir alle in einer Welt leben.

Gewissensprüfung nicht bestanden, also Zwangsdienst an der Waffe (Flieger Dürre im Frühjahr 1970).

Wenn ich heute die Vertreter unserer demokratischen Parteien, z.B bei der “Sicherheitskonferenz” im Februar in München, reden höre, dann werde ich traurig.

Wollen die doch alle noch mehr aufrüsten. Das wiedererstarkte Deutschland soll seiner “natürlichen Verantwortung” in der Welt gerecht werden. Und dies durch militärische Einsätze auf möglichst vielen Kontinenten mit “unserer” Bundeswehr und “unseren” Soldaten demonstrieren. Gleichzeitig exportieren wir Waffen in Krisengebiete und verdienen am weltweiten Kriegsleid. Und die Bundesregierung genehmigt fleißig. So auch am 31. März 2020 in Corona-Zeiten.

Und in meinem Mikro-Kosmos sieht das so aus: Ein junges Soldatenehepaar mit kleinem Stillkind dient bei der Lufwaffe. Zwei sympathische und sehr jung wirkende Menschen, das nette Paar von neben an. Er macht bei der Bundeswehr irgendetwas mit Logistik, sie ist Drohnenpilotin. Ansonsten führen sie ein typisch bürgerliches Leben.

Den Weg haben sie eingeschlagen, weil er sehr attraktiv war: Drei Jahre Studium als Doppelverdiener mit gutem Gehalt, besondere Fürsorge des Arbeitgebers für die kleine Familie, am Ende der 12 Jahr Dienstzeit noch die Möglichkeit Entrepreneurship zu studieren und so die Chance in jungen Jahren (Anfang 30) ein völlig neues Leben beginnen zu können.

Jetzt gibt es auch Nachteile, denn es könnte eine Versetzung drohen, die das Paar trennt. Aber die scheint abwendbar. Wie auch eventuelle Auslandseinsätze.

Da ich ja ein wenig verrückt bin, sehe ich in meinem Kopf das Bild der stillenden Mutter am Bildschirm, wie sie vom Home-Office die Drohne irgendwo auf der Welt steuert, um Feinde zu vernichten. Töten beim Stillen, dass muss schon irgendwie einen besonderen Kick haben. Eine der vielen militärischen Perversionen der Neuzeit.

Dann bedaure ich wieder so sehr, dass die junge Bundesrepublik in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg es nicht geschafft hat, für Deutschland diesen Unsinn mit Waffen, Rüstungsindustrie, Armee und Wehrdienst ein für alle mal zu beenden. Hätten wir doch aufgrund unserer Geschichte, mit wiederholten Angriffskriege und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die besten Gründe gehabt, unsere konsequente militärische Enthaltsamkeit zu rechtfertigen.

Ich habe die Wiederaufrüstung “unserem” von vielen verehrten Kanzler Konrad Adenauer persönlich übel genommen. Auch wegen der konspirativen und hinterhältigen Art, wie er diese von langer Hand geplant, vorbereitet und durchgesetzt hat. Auch aufgrund des Drucks unserer transatlantischen Freunde und Gönner.

Heute sind wir in einer ähnlichen Situation wie damals. Da kommt ein Mr. Trump und verlangt, die Verteidigungshaushalte in Europa auf eine Mindestgrenze von 2 % vom Bruttosozialprodukt zu erhöhen. Da er dabei nur die Erfüllung vertraglicher Vereinbarungen fordert, kann man ihm gar nicht böse sein.

Er begründet die Notwendigkeit mit einer schwierigen Situation in der Welt. Er leugnet jedoch, dass die USA diese wesentlich mit verursacht hat. Nicht nur mit Rache- und Angriffskriegen war sie kräftig als Brandstifter unterwegs. Und dann lässt er gleich wieder einen seiner Gegner per Drohnen hinrichten. Als sein Partner kann man sich so schlecht wohlfühlen.

Mr. Trump ist aber auch als Chef-Lobbyist der stärksten Rüstungsindustrie der Welt unterwegs. Weil diese für ihr Geschäft den Krieg braucht. Denn Waffen dienen dem Krieg und nicht dem Frieden.

Wir fallen darauf rein und machen den gleichen Fehler wie Adenauer. Wir ignorieren das Verhalten unseres “Partners”, ganz gleich was er anstellt. Wir sehen uns in einer gemeinsamen Wertegemeinschaft und unterwerfen uns seinen Forderungen.

Was ist das  eigentlich für eine Wertegemeinschaft?

Erinnern wir uns an die USA der 50iger Jahre. Das war eine schwarze Zeit. Die Gesellschaft von Gottes eigenem Land wurde bestimmt von Rassentrennung, sozialer Ungerechtigkeit und Hexenjagden. Homosexuelle, Freidenker, Frauen und Menschen anderer Hauptfarbe waren die Opfer. Die Gesellschaft war unsozial und gewaltbereit. Gerne hat sie sich auf Gott berufen. Die Moral war eine doppelte, im Mantel der Gottgläubigkeit eingehüllt.

Die Administration der vereinigten Staaten operierte mit ihren Geheimdiensten und Tarnorganisationen weltweit. Zahlreiche Eingriffe an demokratische und nicht demokratische Regierungen auf dem ganzen Planeten erfolgten. Waren die Herrscher gestürzt, folgten brutale Stellvertreterkriege, die unendliches menschliches Leid, Armut und Zerstörung brachten. Die Länder Afrikas, Asiens und Mittel- wie Südamerikas können da viele Geschichten erzählen und sind heute noch beschädigt.

Das zerstörte und vom Krieg erschöpfte Europa wurde dagegen mit dem Marschall-Plan amerikanisch gemacht und auf den “american way” gelockt. Im Sinne von “katholisch gemacht”, will sagen “nach  amerikanischen Denken ausgerichtet”.

Und die westeuropäischen Länder wurden zur gleichen Kommunistenhetze vergattert, wie sie in den USA üblich war. Nur die Rassentrennung und Diskriminierung der Schwarzen konnten die Amis nicht einführen, denn da gab es zumindest in Deutschland zu wenig Schwarze.

Und nachdem man die westlichen Länder kassiert hatte, wurden die östlichen angegangen. Mit Ungarn und Tschechoslowakei fing es an. Später kollaborierte die Sowjet-Union gemeinsam mit ihren Vasallen-Staaten. Land um Land wurde aus dem ehemaligen Comecon und Wahrschauer Pakt heraus gebrochen und in EU und Nato integriert. Auch das neutrale Jugoslawien wurde blutig zerlegt und die Grenze der “american-european” Herrschafts-Allianz Kilometer um Hunderte Kilometer nach Osten verschoben. Heute stehen die Truppen der Nato direkt vor den russischen Landesgrenzen.

Meine Sympathie, dass es dem stalinistischen Unrechtsregime genauso an den Kragen ging wie dem tausendjährigen Reich Hitlers, konnte ich nie verhehlen. Ich bedauere aber, was aus den östlichen Ländern geworden ist. Der Umbruch ging eigentlich überall schief. In den neuen Nato- und EU-Ländern genauso wie im verbliebenen Russland. Die Rückgabe von Betrieben an die Werktätigen ist gescheitert, es entstand ein Paradies für Oligarchen. Zügelloser (unkontrollierter) Raubtierkapitalismus löste einen dogmatischen Bereicherungs- und Unterdrückungs-Kommunismus ab. Die Lage macht (auch in der EU) keine Hoffnung.

RMD

Share on twitter
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Suche

Kategorien
  • Deutsch

Aktuelle Umfrage

Wie würden Sie die EURO-Krise meistern?

Ergebnisse anzeigen

Loading ... Loading ...
Wie schützen wir uns vor Katastrophen?

Wie schützen wir uns vor Katastrophen?

Man braucht ein Unternehmen für die Vorsorge und die Bekämpfung vor Epidemien. Keine akademische Behörde.
Was sind die Ursachen für "Thüringen"?

Was sind die Ursachen für "Thüringen"?

Nur noch ein Viertel der Menschen hat in Thüringen bürgerliche Parteien gewählt. Diese sitzen auf dem hohen Ross.
Otto - der Lehrer.

Otto - der Lehrer.

F4F (Friday4Future) ist doch der beste Beleg dafür, dass unsere Schulen sooo schlecht nicht sein können.[:en]Ach, die heutige Jugend ist…
SUCHE
Drücken Sie "Enter" zum Starten der Suche