Zeitloses Reisen für Zeithaber – Auf Schienen nach Tibet – Folge 9

Von HPK
0Kommentare

VI.  Irkusk – Ulaan Baator    8.6.09  –  10.6.09

k4_Irkusk_Ulaan Baator_1Nur ein einziger Wagen fährt bis Ulaan Baator, der Rest des Zuges leert sich in Oulan Oude und wird an der Grenze abgehängt. Wir teilen unser Abteil mit einem Chinesen aus Boston und einem jungen Iren, der nach seinem Studium und vor der Jobsuche noch mal richtig unterwegs sein will. Die Einrichtung trägt deutliche Spuren jahrelanger Abnutzung, ist jedoch sauber und durchaus komfortabel. Das Publikum ist kosmopolitisch: Engländer, Holländer, Spanier… Es herrscht freudige Erwartung, in der Mongolei wird es endlich exotisch und billig.

Im Schneckentempo verlassen wir Irkusk, bei Einbruch der Nacht.

k4_Irkusk_Ulaan Baator_2Der Sonnenaufgang beleuchtet leicht onduliertes Flachland, Wiesen mit kargem Baumbestand, einen Flusslauf und später eine Reihe von Seen. Mit dem Aufsteigen der Sonne wird die Landschaft arider, Bäume und Büsche verschwinden, der grüne Teppich wird zu grauem Staub und vertrockneten Grasbüscheln.

Russische Pass-und Zollkontrolle erfolgen in Naouchki. 30 Minuten vor der Ankunft verschliesst das Zugpersonal sämtliche Toiletten und Waschräume… für die kommenden 9 Stunden. Schlechte Zeiten für Prostataleidende und Durchfallgehetzte.

Die Ausdehnung des Bahnsteiges erinnert an den Roten Platz, das Volumen der Verwaltungsgebäude an eine blühende Handelsstadt, die öffentlichen Toiletten an ein 5 Sterne Hotel. Erleichterung kostet 8 Rubel (0,20€).

Der Bahnhof ist leere Verpackung, potemkinsche Kulisse. Der Rest sind verdörrte Pappeln, schmutzige Sandwege und tanzende Staubwirbel vor grauen Mietskasernen. Ein Kind wippt auf einer verrosteten Schaukel, trister Zeuge einer trostlosen Welt. Schamhaft versteckt sich ein erbärmlicher Laden jenseits des Bahnhofs, einsam steht unser Wagen auf verlassenen Gleisen.

k4_Irkusk_Ulaan Baator_3

Naouchki ist weder Abfahrt noch Ankunft, Naouchki ist Nichts. Die Zeit steht still.

Eine Lokomotive erlöst uns, die Passkontrollen sind endlos, die Zollformalitäten penibel. Langsam rollen wir gen Mongolei.

In Sükhebaatar weht frischer Wind, die mongolischen Kontrollen sind zügig, auf dem Bahnsteig warten Passagiere, wir hängen uns an den Zug nach Ulaan Baator.

Praktische Hinweise

Speisewagen ist Fehlanzeige, Reiseproviant aus Irkusk überlebenswichtig.

HPK

Share on twitter
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Suche

Kategorien
  • Deutsch

Aktuelle Umfrage

Wie würden Sie die EURO-Krise meistern?

Ergebnisse anzeigen

Loading ... Loading ...

Wieder am richtigen (?) Pol.

Wieso ist die Welt im Süden so anders als im Norden?
Von Moskau nach Peking mit der Bahn! #7 Leben im Zug.

Von Moskau nach Peking mit der Bahn! #7 Leben im Zug.

Langstrecken-Zugreisen sind zwar anstrengend. Aber ideal um Russland und Sibirien kennen zu lernen.
SUCHE
Drücken Sie "Enter" zum Starten der Suche